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Cold Blood Kritik

Cold Blood Kritik

Der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky (Anatomie 1 + 2), der uns mit seiner preisgekrönten Literaturadaption Die Fälscher sehr beeindruckt hat, konnte für den psychologischen Thriller Cold Blood – Kein Ausweg. Keine Gnade.  eine fabelhafte Besetzung gewinnen. Allerdings scheint er das Schicksal seines deutschen Kollegen Florian Henckel von Donnersmarck zu teilen, der seinem Oscar-Gewinner Das Leben der Anderen Jahre später auch einen weniger beeindruckenden Thriller – das Remake The Tourist mit Johnny Depp und Angelina Jolie – hinterherschickte.  Cold Blood ist das Erstlingswerk des Drehbuchautors Zach Dean, das anscheinend mit einem für dieses Genre eher bescheidenen Budget realisiert wurde.

Der Kriminelle Addison (Eric Bana, Die Frau des Zeitreisenden, Wer ist Hanna?) hat mit seiner Schwester Liza (Olivia Wilde, In Time, Zeit zu leben) ein Casino überfallen. Auf der Flucht durch das verschneite Michigan kommt es zu einem schweren Autounfall und die beiden trennen sich sicherheitshalber, wollen sich aber in Kanada wieder treffen.

Der ehemalige Box-Champion Jay (Charlie Hunnam, Cold Mountain, Children of Men) wurde gerade aus der Haft entlassen und fährt nun zu seinen Eltern, um mit ihnen Thanksgiving zu verbringen. Ein schwerer Gang, denn sein Vater Chet (Kris Kristofferson) kann ihm seinen Fehler nicht verzeihen und ist auch nicht gesprächsbereit.  Liza zieht alle Register, von kindlich-hilflos bis sexy Vamp, und kann Jay dazu bringen, sie zu seinen Eltern mitzunehmen, die Richtung kanadische Grenze leben. Die beiden kommen sich auch emotional näher. Doch Liza hat nicht gelernt, irgend jemandem zu vertrauen, der nicht ihr Beschützer und Bruder Addison ist.  Sie sieht nicht gleich, dass sich mit Jay neue Möglichkeiten ergeben, ein anderes Leben zu führen. Statt dessen bleibt sie mit Addison in Kontakt und hält an ihrem Plan fest, sich mit ihm zu treffen.

Wie kompliziert die Beziehung zu ihrem Bruder ist erkennen wir auch daran, dass sie zuerst mit Jay eine sexuelle Phantasie durchspielt, in der sie ihm den Namen Addison gibt.

Eric Bana als Addison in COLD BLOOD.

Addisons Reise zum Treffpunkt gestaltet sich weit schwieriger. Bald ist klar, dass er auf jedes Problem, das sich ihm in den Weg stellt, nur eine Antwort hat: eine Kugel. Einzig Kinder werden von seiner Schießwut verschont. Sie wecken seinen Beschützerinstinkt und verwandeln den Killer in einen fürsorglichen Vater. Bis der nächste Erwachsene erschossen werden muss.

Eigentlich hätte Cold Blood mit diesen Charakteren und den Bewohnern der Gegend, mit denen sie in Kontakt kommen, schon genug zu tun. Es gibt keinen Mangel an Drama/Konflikt und Gelegenheiten, die Charaktere zu entwickeln, was Zach Dean wunderbar gut macht. Allerdings bringt er auch noch Sheriff Becker (Treat Williams, 127 Hours, Love Vegas) und seine Tochter, Deputy Hanna Becker  (Kate Mara),  ins Spiel und kann es sich nicht verkneifen, auch noch von dem ziemlich stereotypen Konflikt dieses Vater-Tochter Teams zu erzählen. Das tut der eigentlichen Geschichte Abbruch, da Cold Blood im üblichen Zeitrahmen von nur 95 Minuten erzählt werden musste.

Deans Gründe für die Erschaffung der Beckers sind klar: Hanna ist die einzige weibliche Figur, die keine Hausfrau ist, sondern Karriere machen will. Die smarte junge Frau ist ehrgeizig und Vater Becker könnte stolz auf sie sein. Wäre sie ein Mann, dann wäre er das auch, doch an eine Tochter stellt er andere Ansprüche, denen sie nicht genügen kann. Hanna hängt noch daran fest, ihren Vater mit beruflichen Glanzleistungen beeindrucken zu wollen. Aus dieser Situation gibt es für gewöhnlich nur zwei Auswege – den Tod des Vaters oder die Erkenntnis, dass man von ihm einfach keine Anerkennung erwarten kann. Niemals. Dean zeigt mit der Dynamik an Hannas Arbeitsplatz auch, wie verbohrt die anderen Männer sind, die sie als Kollegin nicht respektieren. Selbst als diese Verbohrtheit einen der Männer das Leben kostet, wird das wiederum Hanna angekreidet. Sie kämpft in diesem Höllenloch auf verlorenem Posten.

Charlie Hunnam und Olivia Wilde in Cold Blood

Der brodelnde Konflikt zwischen Addison, Jay und Liza ist spannend und vielschichtig – und wird doch nicht vernünftig ausgespielt. Statt dessen muss Dean sogar eine der Figuren einen ganz dummen Fehler machen lassen, nur um damit die Geschichte schnell zu Ende zu bringen. Schade, dass man so viel Wert auf das Genre-Korsett des Thrillers legte, anstatt die Möglichkeiten des psychologischen Dramas voll auszuschöpfen. Ich hätte gerne gesehen, wie sich diese komplizierte Dreiecksgeschichte entwickelt, ohne dass die Polizei dazwischenfunkt.

Mit Charlie Hunnam ist die Rolle des Jay wunderbar besetzt. Fans der vor kurzem endlich auch in Deutschland angelaufenen TV-Serie Sons of Anarchy werden sicher Gemeinsamkeiten zwischen Jay und Jax, dem Sohn des Anführers der  Biker-Gang Sons of Anarchy erkennen, der auch eine ausgeprägte softe und friedliebende Seite hat. Auch Eric Bana glänzt in der Rolle des berechenbaren Killers und fürsorglichen Beschützers. Olivia Wilde war schon während ihres Gigs bei  Dr. House ziemlich mit Filmarbeiten beschäftigt und hat ihre Anfangsschwierigkeiten überwunden. Inzwischen ist sie auf dem besten Weg, zum Moviestar zu werden.

 

Cold Blood Trailer deutsch

 

Cold Blood – Kein Ausweg. Keine Gnade

deutscher Kinostart: 22.11.12 Genre: Thriller

Drehbuch: Zach Dean, Regie: Stefan Ruzowitzky

Cast: Eric Bana, Charlie Hunnam, Olivia Wilde, Treat Williams, Sissy Spacek, Kris Kristofferson, Kate Mara

Länge: 95 Minuten FSK: ab 16 Jahren

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